Podcasts mit Video? Unbedingt! Aber…

Während sich Medienmanager:innen österreichischer Medienkonzerne noch immer fragen, ob es Sinn macht, einen Podcast auch als Video zu veröffentlichen, ist diese Frage außerhalb Österreichs längst beantwortet. Schon im Jahr 2025 war „The Podcast Show“ in London, die größte Podcast-Messe der Welt eher eine Video-Messe. Die Aussteller zeigten ihre besten Kamerasysteme, AI-Systeme mit Fokus auf Videos und auch die Industrie hinter dem Podcast-Business, zum Beispiel auf Vermarktungsebene, hatte nur das Wort „Video“ im Kopf. Die Kolleg:innen aus den USA verstanden es nicht, wenn man ihnen erzählte, dass wir noch immer Podcasts ohne Videos veröffentlichen. Eine der wenigen Ausnahmen in der österreichischen Medienlandschaft ist der Standard, der mit seinen Podcasts auch sehr erfolgreich YouTube bespielt.

In diesem Jahr war „The Podcast Show“ in London auch eher Video-lastig, jedoch wurde der Hype endlich mit Zahlen untermauert. Das Wichtigste: Traffic auf Video-Plattformen nimmt uns keinen Traffic via Audio-Plattformen weg. Das bedeutet, dass Hörer:innen, die „nur“ Audio konsumieren wollen, weiterhin Audio konsumieren; Hörer:innen und Seher:innen, die das Format als Video konsumieren wollen, die kommen on top dazu. Dabei, so der Tenor aus der Industrie, ist die Bildqualität bzw. das Setting nicht das ausschlaggebende Kriterium, warum sich die Leute einen Videopodcast ansehen. „Good Talk“, der kanadische News-Podcast verzichtet auf hochwertige Kameras und Studiolicht kennt man bei diesem Format nur vom Hörensagen und trotzdem ist dieses Format mit hunderttausenden Aufrufen pro Episode eines der beliebtesten Podcast-Formate in Kanada.

Screenshot: Good Talk, Aufnahmesetting

Das soll nun kein Aufruf sein, schlechte Videos zu produzieren. Vielmehr soll es die Angst nehmen, nicht perfekte Hollywood-Produktionen liefern zu können.

Natürlich haben wir das auch getestet und uns selbst ins Video-Game gewagt. Und das auch noch bei unserem reichweitenstärksten Format „Sitzfleisch“. Das Setting: Die Hosts Christoph Strasser und Florian Kraschitzer nehmen die Episoden entweder via Riverside, also remote, oder in unserem Studio in Graz auf. Die Produktionstage sind unregelmäßig, mal mit, mal ohne Gast und die Orte, an denen sich bei Remote-Produktionen befinden, können Wälder, Autos, Campingbusse, öffentliche Plätze oder ihre Büros sein. Uhrzeit? Irgendwann zwischen 15:00 und 23:00 haben alle beteiligten Personen Zeit. Die Bedingungen sind, gelinde gesagt, manchmal etwas schwierig. Ein einheitliches Video-Setting kann man in dieser Konstellation nicht herstellen und trotzdem haben wir den Schritt gewagt. Seit März 2026 gibt es Sitzfleisch nun auch als Video auf YouTube.

Seit 19.03.2026 wurden also 17 Episoden zusätzlich auf YouTube veröffentlicht. Diese 17 Episoden wurden 33.127-mal angehört. Im Schnitt sind das 1.743 Aufrufe pro Episode. Was ist mit den Aufrufen auf den Podcast-Plattformen, also mit den Audio-Aufrufen passiert? Tendenziell sind auch diese Zahlen nach oben gegangen. Ob das mit der zusätzlichen Reichweite durch YouTube zu tun hat oder mit dem generellen Wachstum des Podcasts lässt sich (noch) nicht beantworten. Jedenfalls ist der Sachverhalt auch bei Sitzfleisch so, dass uns YouTube keine Hörer:innen wegnimmt.

Vorsicht, jetzt wird es komplizierter…

Aber warum ist der Podcast als Video nur auf YouTube zu finden, wenn doch sowohl Spotify als auch Apple Podcasts sich seit Jahren und Monaten damit rühmen, dass jetzt endlich auch Video-Podcasts auf den Podcast-Playern abspielbar sind?

Das hat mehrere Gründe aber kurz zurück zum Anfang. Mit Sitzfleisch veröffentlichen wir einen Podcast, der seit Jahren wächst, pro Monat mittlerweile 60.000-70.000 Aufrufe erzielt und auch bei Werbepartner:innen äußerst beliebt ist. Wir verschieben Werbekampagnen in den Herbst, planen schon 2027 und lehnen auch Angebote ab, die nicht mit den Inhalten des Podcasts zusammenpassen. Wir wissen, dass das eine sehr privilegierte Position ist. Aber gerade beim Thema Advertising und Video sind sich die verschiedenen Plattformen uneinig. Grundsätzlich setzen wir als Podcast-Agentur auf Dynamic Advertising. Baked-In Werbungen sind längst Geschichte und wer was anderes sagt, hat den Schuss nicht gehört. Dynamisch eingespielte Werbung ist auch die einzige Werbeform, die seriöse Werbepartner:innen buchen. Diese Audio-Werbung wird über einen Ad-Server eingespielt und bei Bedarf auch wieder entfernt. Die allermeisten kennen den Werbetrenner (ein Ton/Jingle/Hinweis) und die darauffolgende Werbung, die den Podcast kurz unterbricht. Doch wie löst man das bei einem Video-Podcast? Und jetzt wird es spannend, kompliziert und undurchsichtig.

Spotify: Grundsätzlich gibt Spotify seinen Podcaster:innen die Möglichkeit Werbung dynamisch auszuspielen. Auch als Video kann die Werbung dynamisch ausgespielt werden. Das Problem: Man muss seinen Podcast auf Spotify hosten und davon würden wir jedem abraten, dem belastbare Statistiken wichtig sind. Spotify erfindet keine Zahlen, sie werden auch nicht gewürfelt. Spotify zählt einfach anders als alle anderen, die sich dem IAB-Standard unterwerfen. Nahezu die gesamte Podcast-Industrie sagt: Wir zählen die Zahlen nach dem internationalen Standard, damit die Zahlen belastbar sind. Spotify zählt anders und wenn du alle Video-Funktionen samt Ad-Server nutzen willst, lassen die Kolleg:innen aus Schweden keinen anderen Hosting-Provider mitspielen. Somit können wir Spotify nicht als Video-Plattform nutzen, weil wir unseren Hosting-Provider Podigee für belastbare Statistiken brauchen.

Apple Podcasts: In Cupertino rühmt man sich seit Monaten mit HLS, also HTTP Live Streaming. Die Idee: man lädt sein Video in der von Apple vorgegebenen Qualität auf die mit Apple kompatible Hosting-Plattform und schon geht’s los. Man kann auf Apple Podcasts easy und bequem zwischen Audio und Video hin und her switchen. Warum ist Sitzfleisch nicht als Video auf Apple Podcasts? Die Einbindung des Ad-Servers funktioniert noch nicht und niemand weiß, wann und wie das jemals funktionieren wird. Ein Problem ist, dass viele Podcasts, darunter auch Sitzfleisch, seit Jahren Audio veröffentlichen und dann ab einem gewissen Zeitpunkt auf Video umgestellt haben. Die Plattformen wissen noch nicht, wie man damit umgehen wird. Ein mögliches Szenario: Man könnte alle Audio-Episoden als Video hochladen um dann diese Dateien einheitlich via HLS ausspielen zu können. Dabei ergibt sich ein neues Problem: Die Datenmenge. 10 Gigabyte pro Video wären bei einem Podcast wie Sitzfleisch bei 300 Epiosden ca. 3 Terrabyte an Datenmaterial. Die monatelange Arbeit um diese Änderung umzusetzen muss auch berücksichtigt werden. Multipliziert man das mit den tausenden Usern, die Podcasts als Video hochladen könnten, ergeben sich immense Datenmengen, deren Infrastruktur jemand bezahlen muss. Aus diesem Grund können wir und viele andere Publisher auch die Video-Variante auf Apple Podcasts nicht nutzen.

YouTube: YouTube benimmt sich ähnlich wie Spotify mit einem wichtigen Unterschied: (Fast) niemand hat Zugriff auf den Adserver von YouTube. Das bedeutet, man hat keine Möglichkeit den Podcast mit Dynamic Ads zu beliefern. Ein großer Player in Deutschland hat in seinem Netzwerk bereits verkündet, dass er durch alte Verträge Zugriff auf AdSense, dem Ad-Server von Alphabet/Google/YouTube hat und damit Dynamic Ads für seine Podcaster:innen möglich machen kann, jedoch wird das eher die Ausnahme und nicht die Regel werden. Wir bleiben bei diesem Thema dran, nachdem das auch für unsere Formate relevant sein wird. Doch warum veröffentlichen wir Sitzfleisch dann überhaupt auf YouTube? Diese Videoplattform ist eine riesige Suchmaschine. Gespräche mit Branchenkolleg:innen und auch eigene Erkenntnisse haben ergeben, dass die Reichweite, die man mit YouTube generiert zusätzliche Reichweite ist und eine neue Zielgruppe erschließen kann. Das gesamte Format wächst durch die Präsenz auf YouTube – so unsere Strategie.

Pro Video

Wir plädieren dafür, den Podcast in jedem Fall auch als Video zu veröffentlichen. Einerseits erreicht man ein Publikum, das vorher unerreichbar gewesen ist und andererseits generiert man durch die Produktion von Videos zusätzlichen Content, den man für die verschiedensten Plattformen nutzen kann. Ja, es muss keine Hollywood-Produktion sein, jedoch spricht auch nichts dagegen, wenn man bei der Produktion auf die Qualität ein besonderes Augenmerk legt. Der Fortschritt der Technik macht es uns möglich, mit relativ einfachen Mitteln gutes Material zu produzieren.

Gerne produzieren wir auch deinen Video-Podcast! Kontaktiere uns unter: anfrage@podcastwerkstatt.com


Dieser Beitrag wurde am 01.07.2026 veröffentlicht.