100 Episoden Darf Sie Das

100 Folgen „Darf sie das?“

Seit 100 Episoden trinkt Nicole Schöndorfer auch im Podcast-Format Männertränen. Ein Resümee in Zahlen.

Nicole Schöndorfer ist Journalistin in Wien. Seit 100 Episoden kommentiert sie im Podcastwerkstatt-Original „Darf sie das?“ Themen, von Abtreibung über Polizeikritik bis hin zu zerstörten Männerkarrieren. Sie kommentiert und analysiert Aktuelles und Allgemeines immer in Verbindung mit Theorie.

Begonnen hat alles am 30. Jänner 2019 mit der Episode „Gewalt gegen Frauen ist kein Grund zu Nostalgie“. Die erste Folge wurde mittlerweile mehr als 45 000 mal gehört. Im Lauf der Zeit hat sich auch „Darf sie das?“ verändert. Bis zur 38. Folge gab es die „Druko-Analyse“, heute beantwortet Nicole in der „Sprechstunde“ Fragen, die ihr via Instagram von ihren Followern und Followerinnen gestellt werden.

Mehr als nur Zahlen:

Für die Podcastwerkstatt sind 100 Episoden „Darf sie das?“ ein Zeichen dafür, dass die kontinuierlichen Arbeit ankommt, bei der Feminismus im Vordergrund und wirtschaftliche Interessen im Hintergrund stehen. Das Format hat sich weiterentwickelt: Technische Upgrades, die Umstellung von der „Druko-Analyse“ hin zur „Sprechstunde“, immer vereint mit Mut zum Risiko.

Die Highlights sind die vielen E-Mails, die wir bekommen. Darin bedanken sich Männer, weil sie diese verschiedenen Perspektiven noch nie bedacht haben und dadurch ihr Verhalten geändert haben. Oder auch Eltern, die ihren Kindern den Podcast empfehlen, weil sie selbst Fans von Nicoles Inhalten sind.

Daniel Roßmann, Podcastwerkstatt

Nicoles Resümee:

Anlässlich des Jubiläums haben wir Nicole ein paar Fragen gestellt.

Welche Tipps hast du für junge Menschen, die gehört werden wollen? Also dürfen junge Menschen ihre Stimme erheben?

Nicole: Gerade junge progressiv denkende Menschen sollen ihre Stimme erheben, doch sie sind es leider auch, die mit umso mehr Gegenwind rechnen müssen. Der Grund ist simpel: Sie sind eine reale Bedrohung für konservative und reaktionäre Kräfte und die dahinter stehenden Ideologien. Offene feministische und humanistische Weltbilder werden als naiv abgetan, jegliche Hoffnung auf eine bessere Zukunft für alle soll mit allen Mitteln erstickt werden.

Wichtig ist, sich diese Dynamiken vor Augen zu führen, und sich nicht verunsichern zu lassen. Dazu muss man aber natürlich halbwegs gefestigt sein, in dem, woran man glaubt und wofür man kämpft, was nicht nur ein entsprechendes Umfeld erfordert, sondern auch die Ressourcen, sich stets alternative Narrative zum bürgerlich-liberalen Mainstream zu suchen.

Es ist also ein ständiger Struggle und das ist so anstrengend, wie es bereichernd ist. Ich habe allerdings den Eindruck, mehr und mehr junge Menschen überall auf der Welt sind bereit, sich zusammen auf diese Herausforderung einzulassen. Protect them at all costs!

Welche Rolle hat dein Podcast für dich in der deutschsprachigen Medien-Branche?

Nicole: Es gibt in der deutschsprachigen Medienbranche relativ bald eine “Grenze des Sagbaren” nach links. Nach rechts beginnt diese frühestens bei der Holocaust-Leugnung. In Österreich ist das nochmal extremer, weil alle umso stärker voneinander abhängig sind und sich alle wegen allem anscheißen, weil bei jedem Wort “zu viel” der Bundeskanzler anruft. Es ist wirklich peinlich.

Man ist in Österreich als Feministin nur so lange breitenwirksam, interessant und schützenswert, bis man sich einer Systemkritik zuwendet, im Zuge derer man schließlich auch die Grünen und den Falter ablehnen muss, die hierzulande bekanntlich nach wie vor als linke Speerspitze gelten. Dann heißt es ab in die mediale Nische und die gilt es auf eigene Faust zu gestalten, was natürlich nicht für alle möglich ist.

Von daher sehe ich meine Rolle vor allem als eine recht glückliche und gerade in Österreich als eine unübliche, fast schon kuriose. Dass es so funktioniert, wie es funktioniert, ist alles andere als selbstverständlich und klappt nur dank der Unterstützung, die ich von “meiner” Community erhalte sowie dem Vertrauen, das mir die Podcastwerkstatt seit Anbeginn entgegenbringt. Die Rolle, in der ich mich am liebsten sehen würde, ist die, zutiefst sozialistische Überzeugungen für möglichst viele Menschen zu normalisieren.

 

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